Der Saisonstart steht kurz bevor, mittlerweile liegen überall die Sonderhefte der bekannten Anbieter zur neuen Saison aus und von WAZ bis hin zu Fußballportalen in nah und fern werden Prognosen gewagt. Für eine solche fehlt mir zum einen die absolute Fachkenntnis, und zum andern natürlich die gebotene Objektivität. Ich freue mich einfach auf eine Saison, die auf eine folgt, welche einer Dauer-Achterbahnfahrt glich. Was war das für ein wilder Ritt – vom ersten Spieltag bis zum Abpfiff der Relegation.
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Nicht wenige Fans wechselten ihrer Mannschaft und ihrem Trainer gegenüber häufiger die Persönlichkeit als Dr. Jekyll und Mr. Hyde. Aber dann kam Ulm und als Folge darauf die Relegation gegen die SpVgg Greuther Fürth. Es gab schon so viele besondere Spiele im Georg-Melches Stadion und im Stadion an der Hafenstraße. Egal ob Pokalerfolg gegen die Blauen oder Niederlage gegen den FC Kray: So viele Emotionen. Aber der 22. Mai 2026 hat in meiner Wahrnehmung noch einmal alles bislang Dagewesene übertroffen. Das Spiel nimmt mir im Leben keiner mehr. Das war Hafenstraße am Anschlag. Ein Spiel im Fieberwahn, ein Torjubel wie ein Orkan. Dass trotz vier noch offener Stadionecken überhaupt eine solche Lautstärke möglich war, zeigt, dass die Kehlen der RWE-Fans im Ernstfall noch immer zu den bestgeölten im deutschen Fußball gehören.
Allein die Verwandlung der Rahn-Tribüne war fantastisch: Aus dem oft eher beschaulichen Ligaalltag war plötzlich wieder jede Menge alte Gegengerade Nord zu spüren. Von den lärmenden Aktivitäten auf den anderen Tribünen ganz zu schweigen. Die Begeisterung aus diesem Spiel ist jedenfalls bis heute geblieben, trotz des letztendlichen Scheiterns in der Relegation.
Die Begeisterung hat sich auch deshalb über die Sommerpause hinweggerettet, da mir speziell in Fürth die Szenen nach Abpfiff zwischen Mannschaft und Fans gezeigt haben, dass in den letzten Saisonspielen eine starke Einheit entstanden ist, die auch unserer neuformierten Mannschaft nur helfen kann, einen guten Saisonstart hinzulegen. Und sollte der Mannschaft an Motivation und Vorfreude jetzt überhaupt noch etwas fehlen, dann würde ich eine Diashow mit den Fotos aus Ulm vom ekstatischen Torjubel bis hin zu den Szenen nach Abpfiff empfehlen. Gänsehaut garantiert.
Die 3. Liga in der uns bekannten Form gibt es seit der Saison 2008/2009. Der Meister am Ende der Saison hieß Union Berlin, der Exot Kickers Emden und die tragische Figur Kickers Offenbach. Allesamt Vereine, die aktuell mit der 3. Liga nicht viel am Hut haben. Rot-Weiss Essen ist nun das fünfte Jahr dabei, vorher hatten wir einfach keine Zeit, es kam immer was dazwischen. Und aufdrängen wollten wir uns auch nicht. Was leider allen bisherigen Spielzeiten seit dem Aufstieg gemein ist: Wir konnten noch kein einziges Auftaktspiel gewinnen. Drei Niederlagen stehen einem Unentschieden gegenüber.
Wenn ich also vorab einen Wunsch für die neue Saison äußern dürfte, dann wären das drei Punkte in Saarbrücken. Wer sich übrigens auch andauernd zu Rot-Weiss Essen äußert, ist der Journalist und Produzent Friedrich Küppersbusch. In seinem wöchentlichen Videoformat ist der nun schon seit Jahren laufende Running Gag die letzte Frage aus dem Off, die da immer gleich lautet: „Und was macht Rot-Weiss Essen.“ Darauf antwortet Friedrich Küppersbusch dann kurz und prägnant. Obwohl eher als Fan des BVB bekannt, hat es ihn anscheinend zu seiner großen Jugendliebe RWE zurückgezogen. Also, was macht Rot-Weiss Essen? Ich hoffe, uns allen ab Sonntag wieder viel Freude!