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Personalsorgen bremsen Euphorie: Oktober wird zum Härtetest für RWE

Personalsorgen bremsen Euphorie: Oktober wird zum Härtetest für RWE

Daniel Meyer 05.10.2026 09:13 Uhr

Wären da nicht die Personalsorgen, könnte Rot-Weiss Essen wohl euphorisch in Richtung Herbst blicken: Die Leistungen sind stabil und oftmals einer Spitzenmannschaft angemessen. Doch der wilde Oktober erfordert große Kraftanstrengung – und der Kader muss bereits mit Nachwuchskräften aufgefüllt werden. Schafft es RWE, die ersten Etappenziele des Trainers zu erreichen?

Chance für den Nachwuchs

Perfekt läuft auch bei Rot-Weiss Essen in diesen Wochen noch nichts. Doch gerade im ersten Viertel der Saison ist dies auch nicht gefragt, sondern Stabilität. Und hier hat sich RWE durchaus verändert im Vergleich zur Vorsaison: Nach dem verpatzten Saisonstart mit fünf Gegentoren in Saarbrücken kassierte die Elf von Trainer Uwe Koschinat zuletzt nur noch vier Treffer in 630 Pflichtspielminuten, holte stets Zählbares, nistete sich in der Spitzengruppe ein und warf als Bonus auch noch den FC St. Pauli aus dem Pokal. 14 Punkte aus sieben Partien bedeuten ganz nebenher, dass Koschinats erstes Etappenziel immer näher rückt: 20 Zähler hatte der Coach aus den ersten zwölf Spielen gefordert. Die Wahrscheinlichkeit, dass RWE diese Marke an Allerheiligen in Großaspach vielleicht sogar komfortabel übersprungen haben wird, ist auch angesichts zahlreicher reifer Leistungen wie zuletzt in Mannheim oder gegen Rostock ziemlich hoch.

"Nicht perfekt" dürfte auch die bald beendete Länderspielphase umschreiben. Die erhoffte personelle Reaktion auf den zweiten längeren verletzungsbedingten Verlust, nach Tony Menzel (Syndesmoseband) muss auch Nick Bätzner aufgrund muskulärer Probleme wohl für einige Spieltage aussetzen, realisierten die Verantwortlichen bekanntlich nicht: Der vereinslose Florian Engelhardt (23), in der Vorsaison noch aktiv bei Viktoria Köln, hatte sich als einzige Sofortlösung herauskristallisiert, aber aufgrund einer Adduktorenverletzung wurde der Daumen beim Gastspieler vorerst gesenkt. "Das ist unglücklich für den Spieler, aber natürlich ist es total nachvollziehbar, dass wir in der jetzigen Situation primär darauf achten müssen, dass ein Spieler sehr schnell und kurzfristig hilft", sagte Koschinat. Auch wenn die Verpflichtung nicht grundsätzlich abgesagt worden ist, muss RWE vorerst ohne Soforthilfe planen.

Umso mehr ist derzeit – es fallen schließlich mit Max Geschwill und dem angeschlagenen Jaka Cuber Potocnik hinten wie vorne weitere Alternativen aus – der Nachwuchs gefragt. Aus der Not machte Koschinat unter anderem beim 2:2-Testspiel an seiner alten Wirkungsstätte in Bielefeld eine Tugend und ließ mit Fadih Vasic, Leon Scheidhauer, James Gnagnon, Brandon Heinze und Atilla Yapar gleich fünf Nachwuchsakteure für je eine Halbzeit auflaufen – und lieferten mehrheitlich starke Leistungen, sodass das Ergebnis aus Sicht des RWE-Übungsleiters in Ordnung ging. "Ein ebenbürtiger Test mit tollem Spieltempo, das wir bis zum Ende aufrechterhalten konnten", bilanzierte Koschinat applaudierte: "Sie haben es sehr gut adaptiert." Nicht nur das Selbstvertrauen der Youngster, sondern auch jenes der Stammkräfte darf nach dem Härtetest gegen Zweitligisten weiter steigen.

Im Zentrum darf nichts mehr passieren

Ein unfreiwillig positiver Effekt ist in diesen Wochen bereits spürbar: Der auf 21 Feldspieler – ohne Verletzte wohlgemerkt – verkleinerte Kader von RWE wächst zusammen. Er kommt jener verschworenen Einheit näher, die ein späterer Aufsteiger braucht. Schädliches Konkurrenzdenken und Unzufriedenheit, die vornehmlich in einer personell aufgeblähten Konstellation entstehen, hat Rot-Weiss trotz der immensen Qualitätsdichte gerade im Offensivbereich aktuell nicht. Denn auch die vermeintliche zweite Reihe, in der sich derzeit Spieler wie Dickson Abiama und Aiman Dardari befinden, hat die nächsten Bewährungschancen in Aussicht. Beim Gastspiel in Münster mindestens mal als Einwechselspieler auf den Flügelpositionen.

Größer bleibt das Dilemma im zentralen Bereich, wo man an der Hafenstraße nun Noah Pesch in Watte packen muss: Pesch ist der einzige verbliebene Spieler, der dieses Positionsprofil mitbringt und Bälle flexibel in die Spitze verteilen kann. Für den 21-Jährigen, der als Zukunftsversprechen kam und anfangs leichte Anlaufschwierigkeiten verzeichnete, ist das Pech der Mitspieler eine sich öffnende Tür: Beim 6:2 über Würzburg vertrat Pesch erstmals den langzeitverletzten Tony Menzel und überzeugte rundum, obgleich er – wie einst Torben Müsel – als offensiver Part der Doppelsechs  die Blicke auch mehr als sonst nach hinten richten musste. Auf der Zehn hat sich Stürmer Semir Telalovic etabliert, der sich im flügellastigen Spiel aber mehr auf seiner Kernkompetenz als Vollstrecker konzentrieren darf und dies auch im Kräftemessen bei Ex-Verein Bielefeld umsetzte. Er hat sich den Status als Unterschiedsspieler erarbeitet.

Auf RWE wartet ein Mega-Oktober

Alle Improvisationskunst hat ihre Grenzen – jeder weitere Ausfall einer Stammkraft würde den auf Kante genähten Kader deutlich schwächen. Schonung ist ab dem kommenden Wochenende in einem Mega-Oktober aber nicht mehr angesagt, vielmehr ein gelungenes Kräftemanagement: Ist das Landespokalspiel daheim gegen den unterklassigen Verein Kosova Düsseldorf am Dienstagabend noch ein sachtes Aufwärmen, so wartet mit dem Westschlager bei Preußen Münster (Freitag, 19 Uhr) der erste emotionale Härtetest in einem Auswärtsspiel. Weiter geht es zwar "nur" mit Drittliga-Standardprogramm gegen Fortuna Köln, Ingolstadt, Regensburg und Großaspach. Doch gemeinsam mit dem DFB-Pokal-Zweitrundenmatch gegen RB Leipzig am 27. Oktober stehen RWE sieben Pflichtspiele binnen 26 Tagen bevor, in denen Menzel, Bätzner und Geschwill wohl noch keine Option sind.

Bis dahin zeigt sich übrigens nicht nur, ob Koschinats Punkte-Etappenziel erreicht wird: "Wir wollen uns an einer deutlich besseren Gegentorbilanz messen lassen", hatte der 55-Jährige vor Saisonbeginn ausgegeben. Derzeit ist dieser Wert, noch maßgeblich beeinflusst vom Saarbrücken-Spiel, ähnlich zur letzten Saison: Neun Tore hat RWE an den ersten sieben Spieltagen 2026/27 kassiert, im Vorjahr war es eines mehr. Doch am 8. Spieltag wartete vor zwölf Monaten ein 1:6 in Mannheim – alle Vorzeichen deuten nun darauf hin, dass Essen beim etwas holprig gestarteten Absteiger aus Münster deutlich weniger Bälle aus dem eigenen Netz holen wird.

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