Seit meiner letzten Kolumne sind einige Wochen vergangen, Rot-Weiss Essen stand damals mit einem Bein in Liga 2. Jetzt wissen wir, es geht weiter eine Klasse tiefer. Alles wie gehabt. In der Entwicklung stehen geblieben ist der Verein allerdings keinesfalls. Im Gegenteil, allein was sich sponsorentechnisch getan hat, sorgte nicht nur in Essen für Erstaunen.
Der Deal mit dem Energieriesen Rheinisch-Westfälisches Elektrizitätswerk – kurz RWE –, das unverändert starke Engagement des bisherigen Hauptsponsors Ifm (Ich finds mega), Thyssenkrupp als Jugendsponsor sowie die Vertragsverlängerung mit Essens weltbester Brauerei Stauder, sorgten für eine gewisse Euphorie im Umfeld der Rot-Weissen. Ich weiß nicht, wer wie viel Anteil an den Vertragsabschlüssen für sich verbuchen darf, deshalb sage ich allen Beteiligten pauschal einfach besten Dank.
Doch ohne die beispiellose Verbundenheit der sogenannten Kleinsponsoren über all die Jahre in den Niederungen des Fußballs hinweg, wäre diese Entwicklung nicht möglich gewesen. Töberg, Ioana, Ulrich und Co. und all die anderen zigtausend Fans, haben den Verein am Leben gehalten. Auch heute noch gehen sie durch den Kauf von Dauerkarten oder/und Trikots in Vorleistung, immer in der Hoffnung, eine erfolgreiche Saison zu erleben, mitzuhelfen, dass es mit dem Verein bergauf geht. Übrigens, ab Januar 2027 steht DFB-Geschäftsführer Andreas Rettig dem Arbeitsmarkt zur Verfügung.
Der Posten eines Head of Performance ist zwar schon vergeben, aber vielleicht kann der Vorstand Verstärkung gebrauchen? Ich fände es schärfer als Rettich. In puncto Dauerkartenpreise belegt RWE mittlerweile Platz zwei im Ranking sämtlicher Drittligisten. Ob mit der Preiserhöhung auch die mehr als 270.000 Euro erhobenen Strafzahlungen für Fanvergehen aufgefangen werden? Diese Frage kann nur von Vereinsseite beantwortet werden, unabhängig davon, wie sinnvoll und gerechtfertigt solch ein Vorgehen des Verbandes ist. Zielführend sind diese Maßnahmen auf keinen Fall.
Und wie sieht‘s sportlich aus? Geht es nach den Trainern und Experten, dann gehört Rot-Weiss Essen zum engsten Kreis der Aufstiegsfavoriten. Da ich nachweislich kein ausgewiesener Fachmann bin, halte ich mich mit Prognosen besser zurück. Ganz ehrlich, ob der aktuelle Kader tatsächlich stärker als der vorherige ist, kann ich nicht beurteilen. Zu häufig habe ich meine Einschätzungen über das wahre Leistungsvermögen einzelner Akteure revidieren müssen.
Da verlasse ich mich eher auf Aussagen von Trainer Koschinat, wobei die Spieler genau hinhören sollten, wenn er sie besonders lobt. Es bedeutet vieles, aber keine Startelfeinsatzgarantie. Fakt ist dagegen die Verjüngung des Kaders und dass mit Jakob Golz einem verdienten Spieler das Kapitänsamt anvertraut wurde. Unser Keeper hält wie kaum ein Zweiter – auch sein Wort. Für RWE-Fans steht fest, besser Jakob Golz im Tor als Philipp Amthor.
Erneut versuchen es die Rot-Weissen mit drei nominellen Mittelstürmern. Allein durch den Tausch Telalovic für Mause dürfte man sich auf dieser Position verstärkt haben. Das erkennt sogar ein Laie. Egal, wie das Testspiel gegen Bayer Leverkusen ausgeht. Egal, ob RWE mit einer hängenden Spitze in Saarbrücken auflaufen wird. Hauptsache, die Spieler trotten nach dem Abpfiff im Saarland nicht mit hängenden Köpfen, sondern siegestrunken vom Platz. Mögen die Spiele in der stärksten dritten Liga aller Zeiten beginnen. Der Satz könnte von Infantino stammen.
P. S. Vielleicht kommt doch noch ein Zehner als Unterschiedsspieler. Hätte nix dagegen.