Nach 19 Jahren winkt Rot-Weiss Essen die Rückkehr in die 2. Bundesliga. Dazwischen stehen aber noch zwei Relegationsspiele gegen die SpVgg Greuther Fürth, die Cheftrainer Uwe Koschinat nicht als normalen Teilnehmer an den Entscheidungspartien einordnet. Die erste Begegnung steigt an der Hafenstraße (Freitag, 20:30 Uhr).

"Sie haben das Schlimmste abgewende"​


Das letzte Zweitliga-Spiel von Rot-Weiss Essen wird auf den 20. Mai 2007 datiert. Ausgerechnet der Lokalrivale aus Duisburg schoss RWE am 34. Spieltag der Saison in eine lange Phase der Bedeutungslosigkeit, die zwischenzeitlich mit der fünftklassigen NRW-Liga ihren Höhepunkt erreichte. Doch 19 Jahre später kehrt sich die Geschichte um. Am letzten Spieltag der laufenden Saison schob sich die Mannschaft von Uwe Koschinat noch an den konkurrierenden Zebras vorbei und darf nun die Zweitliga-Relegation spielen – und zwar gegen die SpVgg Greuther Fürth. Ein undankbarer Gegner, wie der Cheftrainer fand.

"Das letzte Ergebnis der Greuther habe ich eher als etwas gesehen, das sich für Fürth gut angefühlt hat", verwies Koschinat bei der Pressekonferenz am Donnerstag auf den 3:0-Sieg der Franken am letzten Spieltag gegen Fortuna Düsseldorf. Es war genau das Ergebnis, das die Fürther gegen den direkten Konkurrenten brauchten, um statt der Fortuna an der Relegation teilnehmen zu können. "Diese Mannschaft hat in einer enormen Drucksituation eine Topleistung abgeliefert", fand Koschinat. "Sie haben das Schlimmste abgewendet, nämlich den direkten Abstieg. Deswegen glaube ich, dass sie sehr positiv in die Relegationsspiele gehen werden. Sie werden sehr selbstbewusst sein." Und RWE? Der Revierklub hat nichts zu verlieren.

VAR wird im Einsatz sein​


Die beste Offensive der Liga wird gegen den klassenhöheren Gegner auf dem Prüfstand stehen. "Wir haben in Testspielen gegen Zweitligisten gezeigt, dass wir absolut auf Augenhöhe sind", erinnerte Koschinat an Begegnungen außerhalb des Wettbewerbs zurück. Aber auch die knappe 0:1-Niederlage im DFB-Pokal gegen Borussia Dortmund blieb in Erinnerung. "Wir haben in besonderen Spielen gezeigt, dass wir unter großer Wahrnehmung absolut in de Lage sind, auch Top-Leistungen abzuliefern", fand der 54-Jährige. Im Hinspiel der Relegation soll somit eine Basis für das alles entscheidende Rückspiel am Dienstag gelegt werden. An der Hafenstraße will RWE den Grundsteind legen. Potentielle Nervosität sah Koschinat als positive Begleiterscheinung.

"Meine Spieler wissen um die Besonderheit und die Größe des Spiels, weil sie sich das erarbeitet haben. Und aus meiner Trainererfahrung heraus bekämpft man die Nervosität am allerbesten durch sehr, sehr hohe Aktivität", so der RWE-Coach. Dazu steht ihm Lucas Brumme wieder zur Verfügung, während Franci Bouebari (Muskelbündelriss) und Klaus Gjasula (Sprunggelenksverletzung) keine Optionen in beiden Spielen sein werden. Auch der Videoassistent (VAR) wird in Essen zum Einsatz kommen. RWE hat alles in der eigenen Hand – und doch wird Koschinat nicht lachend durch die Kabine gehen, wie er ankündigte: "Für mich persönlich geht es darum, sehr, sehr inhaltlich zu sein und die Mannschaft vorzubereiten. Wenn man zu viele Dinge vom Drumherum auf sich wirken lässt, dann verpasst man den Moment, in dem man die Mannschaft greifen muss." Und das war Koschinat besonders in den letztten beiden Ligaspielen wieder gut gelungen.

https://www.liga3-online.de/rwe-vor-der-relegation-nervositaet-mit-aktivitaet-bekaempfen/