Der RWE-Aufstiegsheld und Sportliche Leiter des FÖRDERWERKs spricht vor dem Verl-Heimspiel hier im „kurze fuffzehn“-Interview.
Michael Lorenz stieg in der Saison 2005/2006 mit RWE in die 2. Bundesliga auf. (Foto: RWE)
Wenn Rot-Weiss Essen im Saisonendspurt in der 3. Liga um den Aufstieg in die 2. Bundesliga kämpft, dann fiebern auch viele Vereinslegenden mit, denen dieses „Kunststück“ schon einmal gelungen war. Dazu gehört auch Ex-Profi Michael Lorenz (47), der 2006 – unter anderem auch zusammen mit seinem jüngeren Bruder Stefan – zuletzt mit RWE die sofortige Rückkehr in das Unterhaus des deutschen Profifußballs schaffte.
Beide aus Berlin stammenden Lorenz-Brüder sind dem Verein über viele Jahre eng verbunden geblieben und aktuell auch wieder in wichtigen Funktionen tätig. Während Stefan als Trainer mit der zweiten Mannschaft den dritten Aufstieg nacheinander anstrebt (diesmal in die Landesliga), ist Michael Sportlicher Leiter im FÖRDERWERK an der Seumannstraße. Vor dem Heimspiel der Profis gegen den SC Verl nahm sich der „Aufstiegsexperte“, der schon zuvor mit dem SV Babelsberg 03 und dem SC Paderborn 07 jeweils den Sprung in die 2. Bundesliga geschafft hatte, Zeit für die Fragen der „kurzen fuffzehn“.
Hallo Michael! Rot-Weiss Essen steckt mitten im Saisonendspurt der 3. Liga. An diesem Samstag steht das letzte Heimspiel der Saison gegen den SC Verl an. Wie sehr fieberst Du da als ehemaliger RWE-Profi mit?
Michael Lorenz: Ich habe bekanntlich selbst für Rot-Weiss gespielt und bin jetzt im FÖRDERWERK tätig, wünsche uns allen von daher ohnehin nur das Beste. Ich bin nach so vielen Jahren aber natürlich auch RWE-Fan, genau wie meine Frau und unser jüngster Sohn. Wir drücken dem Team alle Daumen, dass gegen Verl die Trendwende gelingt und wir am Saisonende etwas zu feiern haben.
Du hast solche Situationen in der Endphase einer Saison oft selbst erlebt. Worauf kommt es jetzt vor allem an?
Da spielen so viele Faktoren eine Rolle. Wie ist die Tagesform? Welche Spieler stehen zur Verfügung? Wie ist die Tabellenkonstellation? Wer hat das nötige Matchglück auf seiner Seite? Da muss ich ganz bestimmt keine Tipps oder Ratschläge geben. Das Team wird mit Sicherheit alles geben, um möglichst erfolgreich zu sein. Fakt ist, dass noch alles möglich ist. Deshalb sollten wir uns alle auf das Heimspiel an der Hafenstraße freuen.
Wie empfindest Du insgesamt die Entwicklung des Klubs?
In den letzten Jahren wurde nach dem Aufstieg in die 3. Liga grundsätzlich eine positive Entwicklung eingeleitet. Ich sehe den Verein in vielen Bereichen auf einem guten Weg. RWE wirkt wirtschaftlich stabil, plant und realisiert gemeinsam mit der Stadt infrastrukturelle Maßnahmen und spielt aktuell die bislang beste Drittligasaison. Das sind gute Voraussetzungen, um dauerhaft erfolgreich zu sein.
Welche Erinnerungen kommen bei Dir auf, wenn Du an die Aufstiegssaison 2005/2006 zurückdenkst?
Nach dem damaligen Abstieg aus der 2. Bundesliga stellten Trainer Uwe Neuhaus und der Sportliche Leiter Olaf Janßen einen fast komplett neuen Kader zusammen. Wir hatten viele erfahrene Spieler im Team wie etwa Alexander Löbe, Stijn Haeldermans, Michael Bemben, Holger Wehlage oder Mac Younge-Mouhani, um nur einige zu nennen. In der Winterpause kam auch noch Arie van Lent dazu. Es war insgesamt eine herausragende Mannschaft mit großartigen Typen, die das damalige Projekt Wiederaufstieg umgesetzt haben. Auch für mich persönlich und meinen Bruder war es die prägendste Zeit unserer Karrieren und hat dabei entscheidend mitgeholfen, dass wir im Ruhrgebiet Wurzeln geschlagen haben.
Die Entscheidung fiel damals am vorletzten Spieltag. Wie hast Du das erlebt?
Ich weiß noch ziemlich genau, dass wir zuvor gegen unseren direkten Konkurrenten FC St. Pauli 2:0 gewonnen hatten. Dadurch reichte es im letzten Heimspiel der Saison gegen den SV Werder Bremen II schon ein Unentschieden, um den Aufstieg perfekt zu machen. Wir haben es dann auch mit einem 0:0 über die Runden gebracht. Allein schon im damaligen Georg-Melches-Stadion aufzulaufen, war immer Gänsehaut pur. Danach haben wir bestimmt zwei oder drei Nächte durchgefeiert. Dass wir dennoch auch das abschließende Spiel in Erfurt noch 1:0 gewonnen haben, zeigt den Charakter des Teams.
Was traust Du den aktuellen Rot-Weissen nun im Heimspiel gegen den SC Verl zu?
Dass auch unsere jetzige Mannschaft sehr charakterstark ist, hat sie in dieser Saison schon oft bewiesen. Wichtig wird sein, bei sich zu bleiben und gemeinsam mit den Fans eine Einheit zu bilden. Mit positiver Energie ist an der Hafenstraße alles möglich.


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