Max Geschwill (25) und seine Kollegen waren vor dem Auswärtsspiel am Samstag beim SV Wehen Wiesbaden (0:0) vorbereitet auf die besondere Aufgabe, die vor allem auf die Defensive von Rot-Weiss Essen zukam. RWE-Trainer Uwe Koschinat hatte am Tag vor der Partie prognostiziert, dass die Gastgeber auf eine Doppelspitze mit zwei echten Brechern setzen würden. Tatsächlich bekam es der Revierklub in der Brita-Arena mit den Sturmkanten Moritz Flotho (1,92 Meter) und Neuzugang Marcus Müller (1,88) zu tun. Dass die beiden Angreifer über weite Strecken kaum zu sehen waren, lag zum einen am hohen Pressing der Essener, zum anderen an der starken Leistung der Innenverteidigung um Ben Hüning und Geschwill. Erneut hielt RWE hinten die Null, das war die positive Erkenntnis nach dem in der zweiten Halbzeit durchwachsenen Auftritt in Wiesbaden.
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Rot-Weiss Essen hatte zur neuen Drittliga-Saison bewusst auf eine neue Aufstellung in der Innenverteidigung gesetzt. Änderungen waren nach der Gegentorflut (66) in der vergangenen Spielzeit unvermeidbar. Die erfahrenen Michael Schultz und Tobias Kraulich mussten gehen, Dauerbrenner José Enrique Rios Alonso muss sich aktuell mit einem Platz auf der Bank begnügen. Der in der Schlussphase der letzten Saison bärenstarke Hüning und Neuzugang Geschwill haben das Vertrauen erhalten und rechtfertigen es bisher mit Ausnahme des Start-Debakels in Saarbrücken (2:5).
Seitdem ist die von Trainer Koschinat geforderte Stabilität zurück. Vor allem gegen den FC St. Pauli (2:0) und in Wiesbaden machte RWE in diesem Punkt einen Schritt nach vorne. Der SVWW hatte mit drei Pflichtspielpleiten einen katastrophalen Start hingelegt, hat jedoch genug Qualität im Kader, um es jedem Gegner schwer zu machen. Geschwill sprach nach dem torlosen Remis mit dieser Redaktion über die Herausforderung, gegen die Doppelspitze Müller/Flotho zu bestehen. „Es ist natürlich ein anderes Spiel“, sagte der 25-Jährige. „Man muss sich immer gegenseitig absichern. Wir haben das allerdings sehr ordentlich gemacht und waren immer dran, um sie zu stören. Wenn mal ein Ball verlängert wurde, sind wir gut nachgelaufen und haben die Situation schnell bereinigt“
Dem Sommer-Zugang (1,85 Meter) fehlten einige Zentimeter Körpergröße, doch das konnte Geschwill mit einem geschickten Zweikampfverhalten kompensieren. Darüber hinaus überzeugt er mit einem guten Stellungsspiel, einem soliden Tempo und einem starken linken Fuß. Aus diesem Grund wurde er Anfang Juli vom Zweitligisten Holstein Kiel verpflichtet. Geschwill bringt die nötige Erfahrung mit, 19 Mal lief er für Kiel in der Bundesliga auf. An der Hafenstraße wird dem gebürtigen Schwäbisch Haller eine wichtige Rolle zugetraut. Bisher kann er die Erwartungen erfüllen.
Dabei hat der Defensivspezialist sein volles Leistungsvermögen noch nicht erreicht. Geschwill kam aus einer enttäuschenden Leih-Saison beim 1. FC Magdeburg nach Essen. In der Rückrunde der letzten Zweitliga-Spielzeit kam er nur auf zwei Einsätze für den FCM. Koschinat setzt vom ersten Spieltag an bewusst auf ihn, da ihn nur Wettkämpfe entscheidend weiterbringen.
Den einen oder anderen Wackler wie in der ersten Halbzeit gegen St. Pauli nehmen die Essener daher bewusst in Kauf. Doch Geschwill macht große Fortschritte, das betonte er nach den 90 Minuten in Wiesbaden. „Man merkt von Spiel zu Spiel natürlich, da ich im letzten Halbjahr nicht allzu oft über 90 Minuten auf dem Feld stand, dass du mit jeder Partie fitter wirst, mehr laufen kannst und besser in den Zweikämpfen bist“, erklärte er. „Dazu das bessere Timing und diese Spritzigkeit, diesen einen Schritt schneller zu sein. Das kommt mehr und mehr. Man kann noch so viel trainieren, aber ein Spiel ist nochmal etwas anderes und diese Fitness holst du dir nur dort.“
Für beide Seiten zahlt sich der Transfer bisher aus. Geschwill hilft der Essener Defensive, der neue Innenverteidiger darf endlich wieder eine wichtige Rolle einnehmen und regelmäßig spielen. Bereut hat er den Schritt zurück in die 3. Liga daher nicht, zumal die Rahmenbedingungen und die Stimmung in Essen nicht auf Drittliga-Fußball hindeuten. „Es ist eine Top-Atmosphäre“, schwärmte Geschwill. „Gerade, wenn wir unsere Leistung bringen und uns richtig reinhauen, nimmt das noch einmal eine andere Wucht an. Das hat man gegen Pauli erlebt. Es ist schon beeindruckend.“