Traumsturm mit Burgsmüller, Hrubesch und Lippens.
Mit dieser Mannschaft gewann RWE am letzte Spieltag 2:0 gegen Werder Bremen: Burgsmüller, Dörre, Bast, Lindner Strauch, Huhse, Wieczorkowski, Wörmer, Neues, Blasey, Lippens (Foro: Heinrich Kluwie)
Nach ersten Ausflügen in die 1. Bundesliga in den Jahren 1966-1967 und 1969-1971 spielten die Rot-Weissen ab dem Jahr 1973 wieder im deutschen Oberhaus. Die Saison 1975/76 wurde die erfolgreichste von RWE in Deutschlands höchster Spielklasse. Am Ende war sogar die Teilnahme am UEFA-Cup möglich. Einen großen Anteil daran hatte ein Neuzugang, der vor der Saison aus Westfalen in den Essener Norden wechselte: Horst Hrubesch.
Schon zu Beginn der Saison 1975/76 waren RWE die Schlagzeilen sicher. Als neuer Trainer wurde Udo Lattek präsentiert. Auf der Essener Bank saß Lattek jedoch nie, denn trotz Vertragsunterzeichnung an der Hafenstraße übernahm der Übungsleiter lieber Borussia Mönchengladbach. Neuer Trainer bei den Rot-Weissen wurde stattdessen Ivica Horvat, der jedoch nicht der einzige erwähnenswerte Neuzugang blieb. Vom westfälischen Klub SC Westtünnen wechselte Horst Hrubesch nach Bergeborbeck und verschaffte sich in der Folge einen festen Platz in der rot-weissen Vereinsgeschichte.
Zum Ende der Hinrunde vor Bayern München
Horst Hrubesch zeigte schon am ersten Spieltag gegen Bayer Uerdingen, was er konnte. Er erzielte beide Tore zum 2:1-Endstand und kam in seiner ersten Saison gleich auf satte 18 Treffer, obwohl er nur 22-mal eingesetzt wurde. Zusammen mit Manfred Burgsmüller (14 Tore) und Willi Lippens (10 Tore) stellte RWE damit einen besonders treffsicheren Sturm. Auch Werner Lorant mit 7 Toren und Dieter Bast mit 6 Toren trugen einen großen Teil dazu bei, dass RWE am Ende der Saison auf 61 Tore kam.
Zum Ende der Hinrunde stand RWE mit 18:16 Punkten und einem ausgeglichenen Torverhältnis von 34:34 auf Platz 8. Von Platz 5 bis 9 hatten alle Mannschaften diese Punktzahl und RWE damit gute Chancen, sich für den UEFA-Cup zu qualifizieren. Besonders schöne Randerscheinung: Der FC Bayern München belegte hinter RWE nur den 10. Platz.
Den UEFA-Cup-Platz knapp verpasst
Doch der Start in die Rückrunde verlief mühsam. Bis zum Spiel gegen Tabellenführer Borussia Mönchengladbach am 22. Spieltag gelang kein Sieg. Auch nach dem ersten Erfolgserlebnis im neuen Jahr blieben die Leistungen durchwachsen, bis RWE dann doch noch zum Endspurt ansetzte. Am 28. Spieltag gewann man gegen den VfL Bochum zuhause mit 1:0 und schlug anschließend die Eintracht in Frankfurt mit 3:1. RWE lag nun auf dem 10. Platz gemeinsam mit Hertha BSC Berlin.
Dann kamen die Bayern – inzwischen auf Platz 5 in der Tabelle geklettert – an die Hafenstraße. Die 25.000 Zuschauer sahen in der ersten Halbzeit keine Tore, nach dem Wechsel sorgte dann aber Manfred Burgsmüller mit zwei Treffern für einen 2:0 Vorsprung. Gerd Müller markierte das 2:1, bevor Horst Hrubesch die RWE-Führung auf 3:1 in die Höhe schraubte. Doch erneut Gerd Müller und schließlich Franz Beckenbauer sorgten für den Endstand von 3:3. Die nächsten beiden Spiele gegen Hertha BSC in Berlin und zuhause gegen Eintracht Brauschweig endeten beide 2:2. Die Essener lagen auf dem neunten Platz, hatten aber immer noch Chancen den UEFA-Cup-Platz zu erreichen.
Nach einem 2:1-Sieg beim Karlsruher SC gelang sogar der Sprung auf Platz 8. Der letzte Spieltag sollte die Entscheidung bringen. Bei einem eigenen Sieg im Heimspiel gegen Werder Bremen und einer gleichzeitigen Niederlage oder Unentschieden der Gelsenkirchener hätte es für einen UEFA-Pokal-Platz gereicht. Zwar machte RWE seine Hausaufgaben und schlug Werder mit 2:0, doch auch der ungeliebte Nachbar gewann ebenfalls sein Spiel in Kaiserslautern und stand wegen des besseren Torverhältnisses damit auf dem 6. Tabellenplatz. Kaiserslautern auf dem 7. Platz war wegen der Teilnahme am DFB-Pokalfinale gegen den Hamburger SV bereits für einen internationalen Wettbewerb qualifiziert. RWE blieb trotz seiner besten Bundesligaplatzierung nur der enttäuschende 8. Platz, die Qualifikation für den UEFA-Cup war somit knapp verpasst.
Ein Beitrag unseres ehrenamtlichen Vereinshistorikers Georg Schrepper.

https://www.rot-weiss-essen.de/2026/01/30/vor-50-jahren-die-beste-rwe-bundesliga-saison/