In der Rückrunde blicken wir auf besondere RWE-Ereignisse vor 60, 50, 40, 30, 20 und 10 Jahren zurück.
Trainer Rudi Gores redet intensiv auf seinen Kapitän Ingo Pickenäcker ein. Dank der neuen Disziplin gelang in der Saison 1995/96 der Aufstieg in die 2. Bundesliga. (Foto: Archiv Schrepper)
Mit großen Erwartungen ging Rot-Weiss Essen in die Saison 1995/96. Die Regionalliga West/Südwest bildete vor 30 Jahren die 3. Liga. Im zweiten Jahr nach dem Lizenzentzug und dem Pokalfinale 1994 sollte endlich wieder der Aufstieg in die 2. Bundesliga gelingen.
Ein Trainernovize führt RWE zum Aufstieg
RWE zählte zum erweiterten Kreis der Aufstiegskandidaten, der mit den Zweitligaabsteigern Saarbrücken und Homburg sowie den finanzstarken Aufsteigern aus Gütersloh und Oberhausen sehr stark besetzt war. RWE-Präsident Wilfried Schenk setzte alles auf eine Karte, um den Wiederaufstieg zu schaffen. Es wurde eine Mannschaft mit Zweitliganiveau gekauft, die in der Regionalliga unter Zweitligabedingungen spielte und Zweitligagehälter bekam.
Rudi Gores, ehemaliger Jugendnationalspieler und Profi von Borussia Mönchengladbach, hieß der neue Trainer. Ein Name, an den man sich an der Hafenstraße erst gewöhnen musste. „Rudi wer?“ fragten sich viele als die Entscheidung im Juni 1995 bekannt wurde.
Der neue Übungsleiter setzte die Hebel dort an, wo es in der Saison zuvor gehakt hatte. Unnötige Platzverweise wurden mit drastischen Strafen versehen. Sahen in der Saison 1994/95 zwölf Essener Spieler die rote Karte, waren es diesmal nur Ingo Pickenäcker und Waldemar Matysik, die vom Schiedsrichter vorzeitig unter die Dusche geschickt wurden. Die neue Disziplin machte sich auch im Abwehrverhalten bemerkbar. Mit 31 Gegentreffern stellte RWE die beste Hintermannschaft und war zugleich das auswärtsstärkste Team der Liga.
Die taktische Neuausrichtung lähmte allerdings den Angriffswirbel. Insgesamt erzielten die rot-weissen Stürmer nur 60 Tore. Um einiges besser traf Meister Gütersloh mit 80 Toren. RWE schaffte es dennoch, das Saisonziel Zweitligaaufstieg umzusetzen. An 20 von 36 Spieltagen stand die Mannschaft auf dem zum Aufstieg berechtigenden 2. Tabellenplatz und konnte die beste Auswärtsbilanz aller Regionalliga-Teams vorweisen.
Es bedurfte allerdings auch viel Glück, damit das risikofreudige Unternehmen Zweitligaaufstieg gelang. Nach der Hinrunde stand man zwar auf einem Aufstiegsplatz, acht Spieltage vor Saisonende waren die Essener mit fünf Punkten Rückstand auf den Wuppertaler SV allerdings vom Aufstiegsziel weit entfernt. Die RWE-Spieler holten jedoch – nachdem die Lizenz gesichert war – anders als die schwächelnden Wuppertaler – aus den letzten sieben Spielen 18 von 21 Punkten. Ab dem 32. Spieltag stand RWE wieder auf einem Aufstiegsplatz.
Trotz meisterlicher RWE-Fans finanzieller Notstand
Meister wurde RWE in der Zuschauerstatistik. Die Fans strömten wieder in Scharen ins Georg-Melches-Stadion. Während im Schnitt 2.205 Zuschauer zu den 342 Begegnungen in der Regionalliga West/Südwest kamen, zog der RWE durchschnittlich 8.111 Fans an die Hafenstraße. Diesbezüglich schien das Konzept der Vereinsführung aufgegangen zu sein. Der Verein hatte sich nämlich in Erwartung der vier Millionen Mark Fernsehgelder, die es in der 2. Liga zu verdienen gab, hoch verschuldet. Finanziell stand RWE in der Saison 1995/96 im Frühjahr kurz vor dem finanziellen Aus. 2,3 Millionen DM fehlten für die Lizenz und zum Zweitligaglück. Präsident Schenk schaffte es mit Krediten, Bürgschaften und eigenem Kapital den vom DFB geforderten Betrag aufzubringen. Ein drittes Jahr in der Regionalliga hätte RWE vor die Existenzfrage gestellt. Die Presse sah den Traditionsverein in einem solchen Fall schon in der Landesliga neu beginnen.
Die Auflagen des DFB nach der knappen Lizenzentscheidung machten den Einkauf von echten Neuverstärkungen für die nächste Spielzeit praktisch unmöglich. RWE stand vor einer schweren Zweitligasaison 1996/97, aus der man direkt wieder abstieg. Bis heute folgten nur noch in den Spielzeiten 2004/05 und 2006/07 Zweitligaspiele an der Hafenstraße.
Bild 1: Trainer Rudi Gores redet intensiv auf seinen Kapitän Ingo Pickenäcker ein. Dank der neuen Disziplin gelang in der Saison 1995/96 der Aufstieg in die 2. Bundesliga.
Ein Beitrag unseres ehrenamtlichen Vereinshistorikers Georg Schrepper.

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