RWE-Cheftrainer vor Heimspiel gegen FC Erzgebirge Aue im „kurze fuffzehn“-Interview.
Erwartet ein schwieriges Heimspiel gegen Aue: RWE-Trainer Uwe Koschinat.(Foto: Markus Endberg)
Rot-Weiss Essen hat im Heimspiel an diesem Samstag, 14 Uhr, gegen den abstiegsbedrohten FC Erzgebirge Aue die große Chance, erstmals in dieser Saison eine Serie von drei Siegen nacheinander hinzulegen. Nach den Erfolgen gegen den SV Waldhof Mannheim (1:0) und bei der TSG Hoffenheim II (4:2) will das Team von RWE-Trainer Uwe Koschinat auch im Duell mit den „Veilchen“, die seit wenigen Wochen von Koschinats Essener Vorgänger Christoph Dabrowski betreut werden, als Sieger das Spielfeld verlassen und damit Anschluss an die Tabellenspitze halten. Vor dem Duell mit den Erzgebirglern nahm sich Uwe Koschinat wie immer ausführlich Zeit für die Fragen der „kurzen fuffzehn“.
Hallo Uwe! Mit dem 4:2 bei der TSG Hoffenheim II schloss RWE eine turbulente Englische Woche mit dem erhofften Erfolgserlebnis ab. Wie fällt Dein Fazit aus?
Wir hatten in der Tat eine unfassbar schwierige Woche mit der Niederlage in Rostock und den Vorkommnissen beim Mannheim-Spiel hinter uns. In der ersten Halbzeit in Hoffenheim sind wir nicht gut ins Spiel gekommen und konnten froh sein, dass wir noch mit einem 1:1 in die Kabinen gegangen sind. Bis dahin hatte die TSG deutlich mehr Ballbesitz, wenn auch nicht allzu viele hochkarätige Tormöglichkeiten. Nach der Pause haben wir jedoch eine andere Essener Mannschaft gesehen und die Tugenden auf den Platz gebracht, die uns auszeichnen. Wir haben eine sehr gute Bilanz gegen die U-Teams. Daran habe ich die Jungs in der Pause noch einmal erinnert.
Was waren die entscheidenden Gründe für die Wende?
Der Schlüssel war sicherlich die Einwechslung von Lucas Brumme in der offensiven Rolle auf der linken Außenbahn, abgesichert durch Linksverteidiger Franci Bouébari. Lucas war so etwas wie der Gamechanger. Er hat sehr viel Schwung ins Spiel gebracht und zwei Tore hervorragend eingeleitet. Insgesamt hat sich aber das gesamte Team deutlich gesteigert und auch von dem zwischenzeitlichen Ausgleich nicht mehr vom Kurs abbringen lassen.
Bisher war Lucas Brumme in der Regel als Linksverteidiger im Einsatz. Kannst Du Dir das Duo Brumme und Bouébari künftig auch häufiger auf dem Platz vorstellen?
Selbstverständlich. Schon vor der Winterpause haben wir Lucas beispielsweise beim 0:0 in Verl ebenfalls in dieser Rolle gebracht, die ja eigentlich auch seine ursprüngliche Position ist. Auch da hätte er fast das Siegtor vorbereitet. Da sich auch Franci Bouébari sehr gut entwickelt hat, macht diese Konstellation aus der Viererkette heraus definitiv Sinn.
Kaito Mizuta, der zuvor meistens auf dem linken Flügel aktiv war, scheint sich in seiner neuen Rolle als Zehner besonders wohl zu fühlen. Ober täuscht der Eindruck?
Auch auf der linken Außenbahn hat Kaito sehr gut performt, ist nicht von ungefähr immer noch unser Topscorer. Zu Beginn dieses Jahres hatte er das eine oder andere Problem, auch verursacht durch eine Erkrankung und eine Gelbsperre. Grundsätzlich ist er ein Spieler, der sich immer sehr unter Druck setzt, für den man ein gesundes Maß zwischen Ehrgeiz und Ruhe finden muss. Von daher kann es schon sein, dass ihm die zentralere Rolle aktuell guttut. Die Vorarbeit zum 1:1 durch Marek Janssen kam aber beispielsweise aus dem gleichen Raum, den er zuvor auch als linker Flügelspieler häufig genutzt hatte.
Wegen der Ausfälle von Jakob Golz und Felix Wienand stand Tino Casali in Hoffenheim erstmals von Beginn an zwischen den Pfosten. Wie hast Du seine Leistung gesehen?
Wie schon nach seiner Einwechslung gegen Mannschaft hat Tino seinen Mann gestanden und viel Ruhe ausgestrahlt. Er ist ein sehr selbstbewusster Torwart und hat eindrucksvoll bewiesen, dass es richtig war, ihn nach der Verletzung von Jakob Golz zusätzlich zu verpflichten.
Im Laufe dieser Woche arbeiteten Jakob Golz und Felix Wienand an ihrem Comeback, konnten wieder in das Training einsteigen. Wer wird gegen Aue im Kasten stehen?
Es wird auf jeden Fall ein guter Torhüter sein, der zu 100 Prozent belastbar und wettbewerbsfähig ist. Das ist für jeden Kandidaten die Voraussetzung. Grundsätzlich bleibt die Hierarchie innerhalb des Torwartteams unverändert. Jakob ist die Nummer eins, gefolgt von Felix Wienand. Tino Casali und Malte Brüning sind die Herausforderer. Jakob wird nur spielen, wenn er wieder im Vollbesitz seiner Kräfte ist. Das Gleiche gilt für Felix. Es ist beruhigend, dass auch dahinter noch zwei sehr gute Torhüter zur Verfügung stehen.
Der FC Erzgebirge Aue befindet sich in einer sehr schwierigen Situation, hat auf einem Abstiegsplatz schon acht Punkte Rückstand zu einem rettenden Rang. Was für einen Gegner erwartest Du?
Das ist schwierig einzuschätzen. Auf der einen Seite hilft dem FC Erzgebirge in der aktuellen Lage eigentlich nur ein Sieg entscheidend weiter. Von daher ist gut möglich, dass der Gegner zumindest in der zweiten Halbzeit all in gehen könnte. Andererseits könnte auch ein Achtungserfolg an der Hafenstraße, also etwa in Form eines Unentschiedens, wieder etwas Hoffnung und Ruhe in den Verein bringen. Hinzu kommt noch die besondere Konstellation, dass mein Kollege Christoph Dabrowski an seine alte Wirkungsstätte zurückkehrt.
Gab es nach Deinem Amtsantritt einen Austausch mit „Dabro“?
Nein, das war nicht nötig. Schließlich habe ich damals das komplette Trainerteam übernommen und auf diesem Wege sämtliche relevanten Informationen erhalten. Es ist kein Geheimnis, dass beispielsweise Co-Trainer Slawo Freier nach wie vor eine enge Freundschaft mit Christoph Dabrowski verbindet. Aber auch er ist selbstverständlich Profi genug, um alles dafür zu geben, dass wir gegen Aue erfolgreich sind.
Wie sehr bist Du überrascht, dass der FC Erzgebirge in der Tabelle so weit unten steht?
Das Team verfügt nach wie vor über viele Spieler mit einem guten bis sehr guten Drittliga-Niveau. Dazu gehören etwa Torhüter Martin Männel, Innenverteidiger Ryan Malone, Offensivspieler Marvin Stefaniak oder Torjäger Marcel Bär, die eine stabile zentrale Achse bilden können. Vielleicht fehlt ein wenig die Kaderbreite, so dass sich langfristige Ausfälle wie etwa von Marcel Bär während der Hinserie nur schwer kompensieren lassen. Das Team hat aber zuletzt beispielsweise in den Partien gegen die Spitzenmannschaften TSV 1860 München und FC Energie Cottbus mindestens auf Augenhöhe gespielt. Es ist typisch, dass du solche Spiele dann noch verlierst, wenn du im Abstiegskampf steckst.
Was nimmst Du Dir mit Deiner Mannschaft vor?
Wir haben uns das Zwischenziel gesteckt, nach 30 Spieltagen mindestens 54 Zähler auf dem Konto zu haben. Um das zu schaffen, müssen wir auch gegen Aue dreifach punkten. Das ist natürlich auch unser Ziel. Wir müssen uns aber auch einen harten Kampf einstellen, der ganz sicher nicht schon nach 20 oder 30 Minuten entschieden sein wird.

https://www.rot-weiss-essen.de/2026...er-nicht-nach-20-oder-30-minuten-entschieden/