RWE-Cheftrainer vor Top-Spiel gegen SV Wehen Wiesbaden im „kurze fuffzehn“-Interview.
Erwartet ein enges Spiel gegen Wiesbaden: RWE-Trainer Uwe Koschinat. (Foto: RWE)
Zum zweiten Mal innerhalb von gut acht Tagen darf Rot-Weiss Essen in der 3. Liga vor eigenem Publikum antreten. Nach dem 4:1 gegen den TSV Havelse im ersten Heimspiel nach der Winterpause trifft das Team von Trainer Uwe Koschinat an diesem Sonntag ab 19:30 Uhr zum Abschluss des 22. Spieltages in einem Top-Spiel auf den SV Wehen Wiesbaden, der nach einem Aufwärtstrend in den letzten Wochen jetzt den Anschluss an die Spitzenplätze herstellen will. Im Hinspiel hatten die Rot-Weissen beim turbulenten 4:3 den ersten Saisonsieg gelandet und wollen daran jetzt anknüpfen. Vor dem Duell mit den ambitionierten Hessen nahm sich Uwe Koschinat wie immer ausführlich Zeit für die Fragen der Redaktion der „kurzen fuffzehn“.
Hallo Uwe! Mit dem SV Wehen Wiesbaden stellt sich an diesem Spieltag der Tabellensiebte im Stadion an der Hafenstraße vor. Zählt der frühere Zweitligist, der vier Punkte hinter RWE rangiert, zu den direkten Konkurrenten um die Aufstiegsplätze?
Definitiv. Schon vor Saisonbeginn gehörte Wehen Wiesbaden zu den Vereinen, die den Anspruch haben, ganz oben mitzuspielen. Vor allem unter der Regie des neuen Trainers Daniel Scherning ist die Tendenz äußerst positiv. Der SVWW wird daher nach dem Erfolg gegen den SC Verl alles geben, um in Essen zu gewinnen. Dann wäre der Klub voll in der Verlosung. Das wollen wir selbstverständlich verhindern. Wir haben die Möglichkeit, den Vorsprung durch drei Punkte weiter zu vergrößern. Diese Chance wollen wir nutzen.
Im Hinspiel gab es einen 4:3-Erfolg in Wiesbaden. Welche Erinnerungen hast Du an diese Partie?
Es war nach zuvor zwei Unentschieden gegen den TSV 1860 München und in Havelse sowie dem DFB-Pokalspiel gegen Borussia Dortmund unser erster Saisonsieg und entsprechend wichtig. Gerade diese Partie hat gezeigt, wie nah Erfolg und Misserfolg in der 3. Liga beieinander liegen. Zur Pause lagen wir 0:1 zurück, haben dann aber eine extrem positive Reaktion gezeigt und durch 30 hervorragende Minuten nach der Pause auf 3:1 gestellt. Als der SV Wehen Wiesbaden noch einmal auf 3:3 zurückgekommen ist, hatten wir durch den kurz zuvor eingewechselten Torben Müsel noch einmal eine Antwort. Das war schon ein sehr emotionaler Dreier.
Nikolas Agrafiotis, der im Hinspiel erfolgreich war und mit sieben Saisontreffern nach wie vor der beste Torschütze des Gegners ist, fehlt an der Hafenstraße wegen einer Gelbsperre. Wie sehr schwächt das den SVWW?
Da sehe ich keine wesentliche Schwächung. Moritz Flotho ist ein sehr ähnlicher Spielertyp. Er kam ja schon zuletzt gegen Verl als Einwechselspieler zum Zug und steuerte auch direkt ein Tor zum Sieg bei. Wir müssen von Beginn sehr wachsam sein. Auch ohne Nikolas Agrafiotis verfügt der SV Wehen Wiesbaden über eine starke Offensive, auch wenn 28 erzielte Treffer kein Spitzenwert in der Liga sind.
Was charakterisiert sonst noch die Spielweise der Hessen?
Das Team ist sich nicht zu schade, auch mal rustikal zu Werke zu gehen. Es werden auch immer wieder lange Bälle eingestreut. Die Mannschaft wirkt seit Wochen äußerst stabil und agiert ergebnisorientiert. Drei der letzten vier Siege gelangen mit einem Tor Unterschied.
Im Vergleich zum Heimsieg gegen den TSV Havelse musst Du auf jeden Fall die Abwehr umstellen. Rechtsverteidiger Jannik Hofmann fehlt wegen seiner Rotsperre, Tobias Kraulich wegen der fünften Gelben Karte. Wird es deshalb auch eine Umstellung des Systems geben?
Wir haben die durchaus lange Trainingswoche genutzt, um die bestmögliche Lösung zu finden. Grundsätzlich ist es eine Variante, auf eine Viererkette in der Abwehr umzustellen, zumal José Enrique Rios Alonso und Michael Schultz in dieser Saison schon einige Partien in dieser Konstellation absolviert haben. Auf der anderen Seite hat die Dreierkette zuletzt gut funktioniert und wir haben mit Ben Hüning eine sehr gute Alternative. Er macht im Training einen hervorragenden Eindruck und hat früher schon häufiger in diesem System gespielt. Daher bin ich mir sicher, dass auch diese Möglichkeit gut funktionieren kann. Auf der rechten Seite wäre es sicherlich keine Überraschung, wenn Michael Kostka beginnt.
Nach dem Havelse-Spiel gab es neben dem dreifachen Torschützen Marek Janssen auch ein Sonderlob für Torhüter Jakob Golz. Was zeichnet Essens Nummer eins besonders aus?
Jakob verfügt über eine sehr hohe Konzentrationsfähigkeit. Dadurch kann er sehr viele Bälle direkt festhalten oder ins Toraus lenken, was der Abwehr sehr hilft. Dazu strahlt er eine große Ruhe aus, was sich ebenfalls positiv auf seine Vorderleute, aber auch auf das gesamte Stadion auswirkt. Gegen Havelse hat er mit einer herausragenden Parade zunächst den möglichen Rückstand verhindert. Dann ist er vor allem nach dem Platzverweis noch mehr in den Blickpunkt geraten und hat noch einige schwierige Bälle pariert. Das war sehr stark.
Was hat Dir sonst noch sehr gut gefallen?
Wir waren bei Standards extrem gefährlich. Fast jeder Eckball hat für Torgefahr gesorgt, nicht nur beim 1:0. Dazu waren die Tore zum 2:0 und 3:1 extrem gut herausgespielt und zeichneten sich durch eine hohe Präzision aus. Daran wollen wir anknüpfen. Wir müssen aber auch, dass wir defensiv zu viel zugelassen haben und uns weiter steigern müssen.
Wie blickst Du insgesamt auf den Auftakt nach der Winterpause?
Wir haben zwei ordentliche Spiele abgeliefert und mit vier Punkten einen sehr guten Start hingelegt. Dennoch wissen wir, dass wir immer noch Luft nach oben und längst nicht am Limit sind. Das gibt uns ein positives Gefühl.

https://www.rot-weiss-essen.de/2026/01/30/uwe-koschinat-diese-chance-wollen-wir-nutzen/