Ruben Reisig: Überzeugungsarbeit war nicht nötig – Rot-Weiss Essen

29-jähriger Mittelfeldspieler vor Heimspiel gegen den SSV Jahn Regensburg im „kurze fuffzehn“-Interview.

Ruben Reisig: Überzeugungsarbeit war nicht nötig – Rot-Weiss Essen

Ruben Reisig wechselte im Winter von Hoffenheim II zu RWE. (Foto: Markus Endberg)

Nach zehn Jahren ist Ruben Reisig zurück in der 3. Liga. Nachdem er als junges Talent in der Saison 2015/2016 seine ersten Einsätze für den VfR Aalen absolviert hatte, schaffte der langjährige Oberliga-Kicker im zurückliegenden Sommer mit der U 23 der TSG Hoffenheim den Sprung in die dritthöchste Spielklasse. Seit wenigen Wochen trägt Reisig nun das Trikot von Rot-Weiss Essen. Im Interview mit der „kurzen fuffzehn“ spricht der 29-Jährige vor dem Heimspiel gegen den SSV Jahn Regensburg über seinen Wechsel zu RWE.

Hallo Ruben! Hinter Dir liegt mit dem 3:3 in Aachen das Spiel mit der größten Kulisse Deiner Karriere. Wie hast Du die Partie erlebt?
Ruben Reisig:
Es war brutal stark, dass uns 3.000 RWE-Fans nach Aachen begleitet haben. Das ist nicht selbstverständlich. An dieser Stelle noch einmal ein Dankeschön dafür. Auf dem Platz muss man durch die Geräuschkulisse die Kommunikation mit den Mitspielern leicht anpassen. Zum Spiel selbst: Aachen hat es insgesamt gut gemacht, wir haben durch einige Fehler aber auch unseren Teil dazu beigetragen. Es ist definitiv positiv, dass wir zum Beispiel mit Dickson Abiama neuen Schwung bringen konnten. Dass wir uns noch nach einem 1:3 zurückmelden konnten, nehmen wir positiv in die nächsten Spiele mit.

Insgesamt stehen für Dich nun drei Einsätze im RWE-Trikot zu Buche. Wie fällt Dein erstes Fazit aus?
Ich war zweimal Teil der Startelf und habe jeweils bis zum Ende durchgespielt. Aber egal, wie lange ich zum Einsatz komme: Ich bin ein Spieler, der immer 100 Prozent gibt, um dem Team zu helfen. In Aachen haben wir es nicht so gut gemacht wie in den Partien zuvor. Aus solchen Begegnungen müssen wir lernen.

Zu Deinen Weggefährten zählen unter anderem die Ex-Essener Vincent Wagner und Marco Kehl-Gomez. Habt Ihr Euch vor Deinem Wechsel über RWE ausgetauscht?
Tatsächlich erst danach. Der Transfer lief insgesamt so schnell ab, dass dafür keine Zeit war. Dadurch wussten im Vorfeld auch nur sehr wenige Personen Bescheid. Überzeugungsarbeit war bei mir aber auf jeden Fall nicht nötig. Rot-Weiss Essen ist ein Verein mit einer enormen Strahlkraft. Mir war schnell klar, dass ich den Wechsel machen will. Vor ein paar Jahren hatte ich mal unter Christian Titz ein Probetraining bei RWE absolviert. Mit einer Verpflichtung hatte es damals aber nicht geklappt.

Die Rot-Weissen sind Deine erste Station außerhalb von Baden-Württemberg. Wie hast Du Dich eingelebt?
Mit einigen meiner Jungs war ich privat schon mal hin und wieder in Nordrhein-Westfalen. Mein erster längerer Eindruck von der Gegend ist positiv. Ich freue mich schon auf den Frühling, wenn man dann auch ein wenig mehr unternehmen und entdecken kann. Die Menschen hier habe ich als sehr offen kennengelernt. Unsere Wohnungssuche läuft noch. Aktuell sind meine Frau, unser Sohn sowie unsere beiden Hunde noch in unserer Wohnung in einem Nebenort von Sinsheim. Wir hatten auch schon ein paar Besichtigungen, etwas Passendes war aber noch nicht dabei. Wenn also jemand einen Hinweis hat, immer gerne her damit. (lacht)

Deine ersten Drittliga-Spiele hattest Du bereits in der Saison 2015/2016 bestritten. Welche Erinnerungen hast Du daran?
Sehr gute. Mir ist noch sehr bewusst, wer meine Teamkollegen waren oder gegen welche Gegner ich auf dem Platz stand. So habe ich in dieser Saison zum Beispiel meinen ehemaligen Mitspieler Oliver Barth wieder getroffen, der nun Co-Trainer bei der zweiten Mannschaft des VfB Stuttgart ist. Man hat immer ein wenig ein Auge darauf, was die Kollegen von damals inzwischen machen. Meinen längsten Einsatz hatte ich damals gegen den Halleschen FC. Witzigerweise war damals Stefan Kleineheismann, der zuletzt mein Trainer in Hoffenheim war, noch ein Gegenspieler. Ich habe aus diesen Spielen viel mitnehmen können.

Anschließend warst Du bis zum Sommer 2022 in der Oberliga am Ball. Hast Du immer an den Sprung in den Profifußball geglaubt?
Absolut. Ich war immer der Überzeugung, dass ich die Qualität für die 3. Liga habe. Bei meinen ersten Einsätzen war ich noch sehr jung, aber wenn man einmal an diesem Niveau geschnuppert hat, will man natürlich auch eines Tages wieder dahin kommen.

Wie würdest Du selbst Deine Stärken im Spiel beschreiben?
Durch meine Größe und meine Zweikampfstärke war ich einschließlich meines ersten Jahres bei den Stuttgarter Kickers noch Innenverteidiger. Dann hatte mein Trainer gemerkt, dass ich im zentralen Mittelfeld noch mehr aus mir herausholen kann. Da kommt meine Laufarbeit noch viel besser zum Tragen. Als Sechser oder Achter fühle ich mich auch am wohlsten auf dem Platz.

In Freiberg und in Hoffenheim hattest Du in der Kabine die Nationalflagge von Ghana aufgehängt. Setzt sich diese Tradition bei RWE fort?
Die Flagge habe ich tatsächlich wieder mitgenommen. Rund um meinen Platz in der Kabine ist der Raum ein wenig eingeschränkt. Da werde ich mir aber bald noch was überlegen. Ghana ist das Heimatland meiner Mama. Mit meinen Eltern und meiner Schwester sind wir so oft dort, wie es nur irgendwie geht. Wenn man aus dem Flugzeug steigt, fühlt man sich von der Hektik befreit, die teilweise in Deutschland herrscht. In Ghana ist das Lebensgefühl entspannter. Man kommt sich vor wie im Urlaub.

Sportlich kommt nun der SSV Jahn Regensburg an die Hafenstraße. Wie ist Dein Eindruck vom Gegner?
Nach dem Abstieg aus der 2. Bundesliga haben die Regensburger noch ein paar Probleme. Es muss für uns aber egal sein, wo der Gegner tabellarisch steht. Die 3. Liga ist so ausgeglichen, da kann jedes Team gut kicken.

Was wird für Euch wichtig sein?
Wir wollen dem Gegner wieder unser Spiel aufdrücken. Es muss vom ersten Moment an sichtbar sein, dass wir aus den Fehlern aus dem Spiel gegen Aachen gelernt haben.

Ruben Reisig: Überzeugungsarbeit war nicht nötig – Rot-Weiss Essen
Ruben Reisig: Überzeugungsarbeit war nicht nötig – Rot-Weiss Essen

https://www.rot-weiss-essen.de/2026/02/13/ruben-reisig-ueberzeugungsarbeit-war-nicht-noetig/