
Der RWE-Cheftrainer im Interview vor dem West-Klassiker gegen Alemannia Aachen.

Uwe Koschinat und sein Team visieren gegen Aachen den ersten Heimsieg der Saison an. (Foto: Markus Endberg)
Der 4. Spieltag der Saison 2025/2026 in der 3. Liga endet mit einem Klassiker. Am Sonntag, 31. August, 19.30 Uhr, stehen sich Rot-Weiss Essen und Alemannia Aachen in einer Neuauflage des DFB-Pokal-Finales von 1953 (2:1 für RWE in Düsseldorf) gegenüber. Von der Bundesliga, 2. Bundesliga bis zur Regionalliga West und zur damaligen Oberliga Nordrhein trafen die beiden Traditionsklubs schon in sämtlichen Ligen aufeinander. Im insgesamt dritten Duell mit der Alemannia in der 3. Liga strebt das Team von RWE-Cheftrainer Uwe Koschinat den ersten Sieg an, um die Position im oberen Tabellendrittel zu festigen. Vor dem Flutlichtduell im Stadion an der Hafenstraße nimmt Uwe Koschinat wie immer im Interview mit der „kurzen Fuffzehn“ Stellung.
Hallo Uwe! Die Pflichtaufgabe im Niederrheinpokal wurde mit dem 10:0 gegen den Bezirksligisten SV Solingen souverän gelöst. Wie fällt Dein Fazit aus?
Zunächst muss man sagen, dass wir auf einen sehr sympathischen Gegner getroffen sind. Für mich haben sie überraschend viele fußballerische Elemente auf den Platz gebracht. Damit hatten wir in den ersten zehn, 15 Minuten richtig zu kämpfen. Nach dem 1:0 und 2:0 wurden wir jedoch sicherer, dann hat sich die Qualität durchgesetzt. Wie schon in den letzten Monaten war das Publikum sehr zugewandt, hat viele Aktionen abgefeiert. Das ist nicht selbstverständlich gegen eine unterklassige Mannschaft. Da hatten unsere Fans ein gutes Gespür, dass viele Jungs auf dem Rasen standen, die vielleicht nicht im Rhythmus sind. Wichtig war, dass wir die Partie seriös angegangen sind und viele schöne Tore erzielt haben.
Haben sich einige Spieler besonders empfohlen?
Michael Kostka hat – wie schon nach seiner Einwechslung in Wiesbaden – einen starken Eindruck hinterlassen. Er hat bewiesen, dass er nach seiner Anlaufzeit wegen der Verletzungspause schon bald eine echte Alternative sein kann. Ihn hatten zuvor nicht viele Leute auf dem Schirm, da hat unsere Scoutingabteilung sehr gute Arbeit geleistet. Kelsey Owusu hat nicht nur wegen seiner drei Tore gezeigt, über welche unfassbaren Fähigkeiten er verfügt. Gut war auch, dass Dominik Martinovic, Marek Janssen und Jaka Cuber Potocnik ihre Tore erzielt haben. Das wird ihnen guttun. Hervorheben möchte ich außerdem die sehr gute Leistung von Torben Müsel, der nicht von ungefähr mit dem 1:0 die Tür geöffnet hat. Er hat das Spiel definitiv als Chance genutzt, um sich für die Stammformation zu empfehlen.
Welchen Stellenwert hat der Wettbewerb grundsätzlich für Dich und das Team?
Wir haben in der letzten Saison gesehen, wie wichtig der Niederrheinpokal für den Verein und für uns alle ist. Nur durch den Gewinn des Endspiels beim MSV Duisburg haben wir die Möglichkeit bekommen, im DFB-Pokal auf großer Bühne gegen Borussia Dortmund anzutreten. Das wollen wir alle auch in der nächsten Saison erleben. Durch den Niederrheinpokal haben wir die Chance, uns erneut für den DFB-Pokal zu qualifizieren.
Vier Tage nach dem Pokalspiel steht jetzt die nächste Meisterschaftspartie gegen Alemannia Aachen an. Was habt Ihr Euch vorgenommen?
Unser Ziel ist es selbstverständlich, die drei Punkte an der Hafenstraße zu behalten. In der abgelaufenen Saison haben wir beide Duelle mit den Aachenern verloren. Von daher haben wir auch noch etwas gutzumachen.
Die Alemannia musste sich zuletzt trotz längerer Unterzahl erst in den Schlussminuten dem Aufstiegsaspiranten TSV 1860 München 0:2 geschlagen geben. Wie schätzt Du den Gegner ein?
Die Aachener haben es den „Löwen“ sehr schwergemacht und lange Zeit so gut wie keine klaren Torchancen zugelassen. Letztlich war der Platzverweis von Gianluca Gaudino wohl spielentscheidend. Während die Münchner noch viel Qualität von der Bank bringen konnten, hatte die Alemannia schon zuvor einige Ausfälle zu beklagen. Unter dem Strich werden die Aachener die gezeigte Leistung als Erfolg verbuchen und darauf aufbauen wollen, auch wenn ihnen mit Gianluca Gaudino ein weiterer sehr wichtiger Spieler gegen uns fehlen wird. Dazu war der Verein in dieser Woche auch noch auf dem Transfermarkt sehr aktiv.
Für RWE gab es im letzten Duell unmittelbar nach der Winterpause in Aachen eine 0:2-Niederlage. Welche Erinnerungen hast Du daran?
Wir hatten damals gerade das gelungene Winter-Trainingslager in der Türkei hinter uns und sind mit einem sehr guten Gefühl in die Rückrunde gestartet. Mit Klaus Gjasula und Dominik Martinovic hatten wir damals zwei erfahrene Spieler neu verpflichtet. Klaus ist dann allerdings kurzfristig krankheitsbedingt ausgefallen und wir sind durch den Spielverlauf hart auf dem Boden aufgeschlagen. Danach hat sich das gute Gefühl aber doch bestätigt und wir haben schnell die Kurve bekommen.
Was erwartest Du diesmal?
Ich gehe von einem sehr emotionalen Spiel aus, auch geprägt von der Tabellensituation. Wir haben uns durch den Sieg in Wiesbaden ein ganzes Stück nach oben gekämpft, die Alemannia wartet noch auf einen Dreier und belegt einen Abstiegsplatz. Wir alle freuen uns auf ein volles Haus an der Hafenstraße und wollen zusammen mit den Fans den Heimsieg einfahren. Es ist schön zu sehen, mit wie viel Freude und Stolz die Menschen ins Stadion kommen und wie gut die Wechselbeziehung mit der Mannschaft funktioniert.
Nach den ersten drei Ligaspielen stehen für RWE fünf Punkte zu Buche. Bist Du unter dem Strich zufrieden?
Ich würde sagen, dass wir letztlich bekommen haben, was wir auch verdient haben. Obwohl das Ergebnis gegen 1860 München in Ordnung ging, war mehr für uns drin, wenn ich beispielsweise an die Chance von Ramien Safi oder das vermutliche Abseits-Gegentor denke. In Havelse waren wir total überlegen und kurz vor Schluss auch noch in Führung. Von daher konnten wir damit nicht zufrieden sein. Im Spiel beim SV Wehen Wiesbaden wäre dagegen – so ehrlich müssen wir sein – ein Remis durchaus gerecht gewesen.
Vor allem mit der Leistung in der ersten Halbzeit warst Du nicht einverstanden. Warum?
Wir waren eigentlich gut in das Spiel gestartet, haben dann aber nach etwa zehn Minuten komplett den Faden verloren. Uns sind viele Fehler im Spielaufbau unterlaufen. Dadurch waren wir immer wieder anfällig für Konter. Von daher war der Zwischenstand von 1:0 für den SV Wehen Wiesbaden recht schmeichelhaft für uns. In der zweiten Halbzeit hat das Team dann aber ein ganz anderes Gesicht gezeigt, hat vor allem in den ersten 20 Minuten herausragend gespielt und ist selbst nach dem späten 3:3-Ausgleich des Gegners noch einmal zurückgekommen. Es hat sich wieder einmal gezeigt, dass wir von der Bank viel Qualität bringen und entscheidenden Einfluss auf das Spiel nehmen können.
Die beiden Neuzugänge Luca Bazzoli und Marvin Obuz gehörten in Wiesbaden erstmals zur Startformation und liefen auch im Pokal gegen Solingen von Beginn an auf. Was waren die Gründe dafür?
Beide Spieler wurden als große Hoffnungsträger verpflichtet und konnten zu Saisonbeginn aus verschiedenen Gründen noch nicht viele Einsatzminuten sammeln. Daher ist es sehr wichtig, dass sie jetzt in den Spielrhythmus kommen. Es ist wichtig, dass möglichst alle Spieler auf einem ähnlichen Fitnesslevel sind, damit wir die Breite des Kaders auch in den folgenden englischen Wochen gut ausnutzen können.

Koschinat: „Ich gehe von einem sehr emotionalen Spiel aus“ - Rot-Weiss Essen