Elfmeter mit dem Kopf versenken.
Horst Hrubesch erzielte mit Kopf und Fuß in 93 Pflichtspielen 84 Tore für Rot-Weiss Essen. (Foto: Archiv Schrepper)
Horst Hrubesch, ein im wahrsten Sinne des Wortes ganz Großer des deutschen Fußballs, feiert am 17. April seinen 75. Geburtstag. Der kopfballstarke Mittelstürmer hat in seiner langen Spieler- und Trainerkarriere fast alle Titel gewonnen. Dabei war er in Sachen Profifußball eigentlich ein Spätberufener und auch seine Trainererfolge stellten sich nicht sofort ein.
Spielerkarriere
Zur Saison 1975/76 wechselte Horst Hrubesch mit 24 Jahren vom Bezirkligisten SC Westtünnen für 18.000 DM und der Empfehlung von 110 Toren in den letzten beiden Spielzeiten an die Hafenstraße. „Eine Spätlese, mit der man noch viel arbeiten muss und der sich von Spiel zu Spiel steigert“, meinte RWE-Trainer Ivica Horvat im Sportschauinterview.
Seinen Namen konnten die Zuschauer anfänglich kaum aussprechen. „Rhebusch“ oder so ähnlich rätselten sie noch, als der Nobody und gelernte Dachdecker aus der Nähe des westfälischen Hamm bei seiner Bundesligapremiere direkt zeigte, wo der Hammer hängt.
Zweimal versenkte Horst Hrubesch das Leder im Tor von Bayer 05 Uerdingen. „Hrubesch wird der erste Spieler sein, der einen Elfmeter mit dem Kopf versenken kann“, hieß es damals. In seinem Bundesligalehrjahr erzielte er 18 Tore in gerade einmal 20 Spielen, die meisten mit dem Kopf. Und so bekam Hrubesch den Spitznamen „Kopfballungeheuer“, von dem er selbst sagt: „Der Name hat sich so festgesetzt und jeder weiß eigentlich, wer das ist. Das ist ein Markenzeichen geworden.“
In der Saison 1976/77 fiel der neue Leistungsträger verletzungsbedingt lange Zeit aus, kam dennoch auf 20 Tore, die den Abstieg der Rot-Weissen aber nicht verhindern konnten. Ein weiteres Jahr später stellte er in der 2.Bundesliga Nord mit 41 Saisontoren in 35 Spielen einen bis heute unerreichten Zweitligarekord auf.
Nach dem verpassten Bundesligaaufstieg 1978 verabschiedeten die RWE-Fans ihren Sturmtank nach Hamburg. Beim Hamburger SV gelang ihm der internationale Durchbruch. Dreimal wurde er mit den Hanseaten Deutscher Meister (1979, 1982 und 1983), nahm als deren Kapitän 1983 den Europapokal der Landesmeister in Empfang und wurde 1982 mit 27 Treffern Torschützenkönig der Bundesliga. Längst war Horst Hrubesch zum Nationalspieler gereift und machte die Bundesrepublik 1980 mit seinen beiden Treffern im Endspiel gegen Belgien (2:1) zum Europameister – das erste Tor mit dem Fuß, das zweite mit dem Kopf.
Trainerkarriere
Seine zweite Karriere als Trainer verlief zunächst weniger erfolgreich. Der Einstieg ins Trainergeschäft begann in der 2.Ligasaison 1986/87 an der Essener Hafenstraße. Trotz neun siegloser Siele zu Beginn reichte es am Ende zum 10. Tabellenplatz. In der folgenden Spielzeit hatte die rot-weisse Führungsetage weniger Geduld und feuerte den einstigen Publikumsliebling noch in der Hinrunde. Auch seine Engagements in Österreich und Dresden waren als Chefcoach nicht sehr erfolgreich.
Der Durchbruch als Trainer gelang Horst Hrubesch dann in der Nachwuchsarbeit des DFB. Mit der deutschen U-19-Nationalmannschaft gewann er am 26. Juli 2008 bei der U-19-Fußball-Europameisterschaft den EM-Titel durch ein 3:1 im Finale gegen Italien.
Als Interimstrainer betreute er das Team dann auch in der U-21-Nationalmannschaft, die 2009 nach einem 4:0-Finalsieg über England Europameister wurde. Im gleichen Jahr 2009 erhielt Hrubesch den erstmals vergebenen Trainerpreis des Deutschen Fußballbundes. Sechs Weltmeister-Spieler von 2014 gingen durch seine Schule: Manuel Neuer, Jérôme Boateng, Benedikt Höwedes, Mats Hummels, Sami Khedira und Mesut Özil.
„Horst kommt“
2014 qualifizierte sich die deutsche U21-Nationalmannschaft mit ihrem Trainer Horst Hrubesch an der Hafenstraße für die Europameisterschaft in Tschechien. Die DFB-Auswahl setzte sich im Playoff-Rückspiel gegen die Ukraine mit 2:0 (0:0) durch. „Horst kommt“ kündigten zahlreiche Plakate mit seinem Konterfei den Heimkehrer in Essen an.
2016 gewann Hrubesch bei den Olympischen Spielen mit der Olympiaauswahl, die sich als U-21-Halbfinalteilnehnmer der Europameisterschaft 2015 qualifiziert hatte, in Rio de Janeiro die Silbermedaille. Als Interimstrainer betreute er die Frauenfußballnationalmannschaft zwischen März und November 2018. Dabei stellte er einen neuen Startrekord mit sieben Siegen in Folge auf.
Dieses Amt hatte er von Oktober 2023 bis August 2024 erneut inne. Unter seiner Leitung errang die Mannschaft die Bronzemedaille bei den Olympischen Spielen in Paris.
Was ihn ganz besonders auszeichnet kam in einem Interview mit dem Kicker zum Ausdruck: „Ich war nie eine Ich-AG, sondern immer Teil einer Wir-AG. Es geht immer darum, wie wir miteinander umgehen.“ Und so heißt es in einem Beitrag von Sportschau-History zurecht: „Horst Hrubesch, der eines immer war und ist – zutiefst menschlich.“
Seine Verbundenheit mit Rot-Weiss Essen zeigte sich auch im Interview: „Neben der HSV-Raute trage ich nach wie vor ein RWE-Emblem im Herzen, denn diesem Verein habe ich unglaublich viel zu verdanken. Was wäre ich heute ohne Rot-Weiss?“
Ein Beitrag unseres ehrenamtlichen Vereinshistorikers Georg Schrepper.

https://www.rot-weiss-essen.de/2026/04/10/horst-hrubesch-feiert-seinen-75-geburtstag/